Sebastian

sebastian2_thumb.jpg   Sebastian Faißt, Matthias Baur und ich vor dem Länderspiel gegen Rumänien!

 

3.3.2009

Der 3. März 2009 war der schlimmste Tag meines Lebens...

Lieber Sebastian,

Dir allein soll diese Seite gehören. Du warst ein super Zimmerkollege, bei all den Lehrgängen und Trainingslagern die wir zusammen erlebt haben!!
Du warst und bleibst ein sehr, sehr guter Freund!! Ich werde jeden Tag leben und genießen, genau so wie du es auch getan hast!

Wir haben bei der WM in Kairo alles gegeben, um den Titel für DICH zu holen! Danke für jede Minute,

die ich mit Dir erleben durfte!!!

Ich werde Dich nie vergessen...!

Dein Jens

 

sebastian_thumb.jpg
Der plötzliche Tod des Handballers Sebastian Faißt beim Junioren-Länderspiel zwischen Deutschland und der Schweiz in Schaffhausen hat in der Handballszene, aber nicht nur dort, tiefe Erschütterung ausgelöst. Sebastian Faißt spielte bis 2007 beim TuS Schutterwald.
  

Fassungslos, am Boden zerstört

Noch gestern saß dem Vorsitzenden des TuS Schutterwald, Frank Heuberger, der Schrecken im Nacken. Eine kleine Gruppe von Fans hatte sich am Dienstag aus der Gemeinde vor den Toren von Offenburg, aus der auch Junioren-Nationaltrainer Martin Heuberger kommt, auf den Weg nach Schaffhausen gemacht. Alte Bekannte treffen, war das Motto. Gegen 21.45 Uhr am Dienstag riefen sie bei ihm an. "Sebi ist tot." − "Es ist noch heute für mich unfassbar", sagte der Vater einer Tochter gestern der BZ.

Andreas Junker, der dritte Vorsitzende des TuS, war mit in Schaffhausen und wurde zum Überbringer der schrecklichen Nachricht. Ihm versagte immer wieder die Stimme. Noch vor dem Spiel habe es keinerlei Anzeichen auf irgendeine Beeinträchtigung gegeben. "Hinterher trinken wir noch was", verabschiedeten die Schutterwälder ihren ehemaligen Spieler zum Länderspiel.

Auch Bernd Leistler, der 2. Vorsitzende des TuS, war von Andreas Junker am Abend informiert worden. Leistler stand am Mittwoch noch unter Schock: "Das ist sehr tragisch. Ich kann es auch heute noch nicht glauben. Dass so etwas passiert, ist nicht zu begreifen"

Der ein Jahr ältere Bruder Matthias wurde erst nach dem tragischen Unfall benachrichtigt. Er kam mit seiner Freundin vom ehemals gemeinsamen Studienort aus Konstanz nach Schaffhausen gefahren. Beide fuhren am Mittwoch nach Alpirsbach zur Mutter, die beim Spiel nicht sein konnte, da deren Vater wohl im Sterben liegt.

Sebastian Faißt war mit seinem Bruder Matthias vom TV Alpirsbach zum TuS gekommen. Entsetzen auch bei Faißts Alpirsbacher Club: "Wir sind noch alle im Schockzustand", sagte Handball-Abteilungsleiter Bernd Ring. "Er war immer topfit", erinnerte sich Ring. Seinem Jugendclub sei Faißt stets freundschaftlich verbunden geblieben. Auf der Internetseite der Schwarzwälder Handballer trafen Beileidsbekundungen vieler Vereine ein. Ein Vertreter des TV Willstätt schrieb dort: "Auch wir möchten unsere tiefe Trauer und Anteilnahme am Tod von Sebastian bekunden. Unsere Gedanken sind jetzt bei den Angehörigen." Die Kehler Turnerschaft teilte mit: "Das ist eine grausame Nachricht. Unser Mitgefühl gilt der Familie, den Freunden und natürlich auch dem TV Alpirsbach. Wir sind in Gedanken bei euch."

Die Spieler von Trainer Martin Heuberger und Gastgeber Schweiz waren in der Halle, als die Ärzte um das Leben ihres Kollegen kämpften, der am 7. März 21 Jahre alt geworden wäre. "Wir haben vor der Kabine versucht, Sebastian Faißt zu reanimieren. Ich habe den Spielern deshalb gesagt, sie sollen auch in der Halbzeitpause in der Halle bleiben. Es wäre massiv traumatisch für sie gewesen, das zu sehen", sagte Mannschaftsarzt Kurt Steurer. Er erlebte die tragische Situation so. "In der 15. Minute lief Sebastian Faißt nach einem Angriff zurück zum eigenen Tor, plötzlich brach er zusammen ohne Kontakt mit einem anderen Spieler gehabt zu haben. Er war sofort tief bewusstlos. Da schwante mit schon Böses. Wir haben sofort den Notarzt alarmiert. Wir haben ihn dann auf eine Trage gelegt und in Richtung Kabine getragen. Vor der Kabine haben wir ihn reanimiert. Er ist kurz wieder zum Bewusstsein gekommen und sagte: Ich kann nichts sehen. Da wusste ich, dass im Kopf etwas passiert sein muss, ich vermute, dass ein Gefäß geplatzt sein muss. Die Rahmenbedingungen in der Schweiz waren exzellent. Der Notarzt war schnell zur Stelle. Wir waren zu viert, dann zu sechst, und haben versucht, sein Leben zu retten. Leider vergeblich. " Die Partie wurde noch einmal angepfiffen, doch als die schlimmen Nachrichten aus den Katakomben in die Halle drangen, wurde das Spiel in der 34. Minute abgebrochen. Psychologen nahmen sich den völlig schockierten und in Tränen aufgelösten Mitspielern Faißts an.

Der deutsche Mannschaftsarzt sagte: "Sebastian Faißt war ein junger gesunder Sportler von 20 Jahren. Er wurde als Spieler von Bayer Dormagen betreut. Da gab es in medizinischer Hinsicht viele Netzte, die ihn auffingen." Steurer selbst zeigte sich gestern im Gespräch mit der BZ betroffen: "Die Handballer sind wie Kinder. Das ist schicksalhaft."

Faißts Spieler-Kollegen vom TSV Dormagen waren am Mittwochmorgen zum Training zusammengekommen, ans Spielen war aber nicht zu denken. "Alle sind am Boden zerstört, völlig fassungslos, total geschockt", berichtete TSV-Sprecher Detlef Zenk. "Die Frage ist jetzt, wie geht man damit um." In der Bundesliga trifft Dormagen laut Spielplan am Samstag auf den TBV Lemgo. Die Vereine wollen gemeinsam über eine mögliche Verschiebung entscheiden. Das für Mittwochabend geplante Rückspiel der U 21-Auswahl gegen die Schweiz wurde abgesagt. Beim TV Alpirsbach war nicht an Sport zu denken. Die Heimspieltage am kommenden Samstag und Sonntag sind abgesagt.

Quelle: Badische Zeitung